Deutscher Botschafter: Irland ist ein „ungehobelter Ort”
21.09.2007
Der deutsche Botschafter in Irland bezeichnete sein Gastland in einer Rede als „ungehobelt”. Damit hat sich Christian Pauls den Unmut der Iren zugezogen. Irlands Außenminister Ahern nannte Pauls Rede vor einer Geschäftsdelegation als „ungenau, falsch und unpassend”. Paul entschuldigte sich am Montag für seine Äußerungen und räumte Fehler ein.
Paul: „Iren sind vom Geld besessen”
Irland sei ein „ungehobelter Ort mit einer traurigen Geschichte, dessen Bewohner vom Geld besessen sind”, so der Botschafter laut der Londoner „Times”. Weiter bemängelte er die Einwanderungspolitik, das Gesundheitssystem bezeichnete er als chaotisch. Außerdem soll sich Paul missmutig über Irlands blühende Wirtschaft geäußert haben. Irlands Geschichte bezeichnete er als noch trauriger als die von Polen. Auch die katholische Kirche blieb von seinen Vorwürfen nicht verschont.
„Entsetzliche Sticheleien”
Ein Dutzend „entsetzliche Sticheleien” soll Paul losgelassen haben, so der irische EU-Abgeordnete Gay Mitchell, der die Rede mitverfolgte. Einige Aussagen entsprächen zwar teilweise der Wahrheit, andere seien dagegen schlicht „verrückt” und aus dem Zusammengang gerissen.
Missverstanden?
Die Deutsche Botschaft in Irland nahm erst einen Tag nach den Anschuldigungen Stellung. Der Sprecher der Botschaft, Reinhold Herber, behauptete, Christian Paul habe die Iren keineswegs beleidigen wollen: „Mein Botschafter ist ein humorvoller Mann und vielleicht ist dieser Humor falsch verstanden worden”.
Paul selbst erklärte, er wolle mit seinen Reden bewusst provozieren, um die anschließende Diskussion zu beleben. Bei der umstrittenen Rede habe er jedoch übersehen, dass Nachfragen nicht möglich gewesen sei, und es somit keine Gelegenheit gab, dass Gesagte zu relativieren. Dem irischen Fernsehsender RTÉ sagte Paul zudem, er sei von der Dolmetscherin falsch übersetzt worden.
Irland hat sich in den letzten zehn Jahren von einem der ärmsten Länder Europas zu einem der reichsten Länder weltweit entwickelt. Allerdings hat die Infrastruktur Schwierigkeiten, sich an die Bedürfnisse der blühenden Wirtschaft anzupassen.

