Dublin feiert den Bloomsday

17.06.09

BloomsdayNicht nur am St. Patrick’s Day steht Irland Kopf. Jedes Jahr am 16. Juni, dem Bloomsday, feiern die Iren einen anderen Nationalheiligen: Bloom, der Romanheld aus James Joyces Werk Ulysses. Auch gestern waren in Dublin einen Tag lang alle Rezessionssorgen vergessen.

Ablauf des Bloomsdays

Der Feiertag ist dem Protagonisten Leopold Bloom gewidmet, der in Joyces Meisterwerk auf tausend Seiten einen einzigen Tag erlebt, den 16. Juni 1904. Fans des irischen Literaten verkleiden sich an diesem Tag als Blooms und tragen die Mode von vor über hundert Jahren. Es ist der einzige Tag im Jahr, an dem man schon zum Frühstück ein Guinness trinken darf. Wer einen starken Magen hat isst, dazu in Anlehnung an das Werk „die inneren Organe von Vieh und Geflügel”. In edwardianischen Anzügen und Strohhüten gehen oder radeln die Bloomdayers anschließend Blooms Wege durch die irische Hauptstadt nach. Beim Pub in der Duke Street wird eine weitere Pause gemacht: Dort gibt es ein Sandwich mit Gorgonzola, dazu ein Glas Burgunder.

Den ganzen Tag über finden verschiedene Lesungen und Veranstaltungen an weiteren Orten statt, die im Roman erwähnt werden. Die ausgelassene Stimmung auf Dublins Straßen erinnert dabei an den deutschen Karneval.

Iren stolz auf Joyce

Zu Lebzeiten stieß Joyce noch nicht auf so viel Begeisterung bei den Iren: Seine Werke galten im katholischen Irland als obszön und anstößig. Im Alter von 22 Jahren verließ Joyce die Insel daher und schrieb auch sein berühmtestes Werk nicht in Dublin, sondern auf dem europäischen Festland.

Dennoch sind die Iren heute stolz auf den großen Literaten und sein Werk. Der Bloomsday sei wohl der einzige Feiertag weltweit, der einem Roman gewidmet sei, so Marc Gallagher, Professor für irische Kultur am Institute of Technology in Dublin. Seiner Meinung nach gehört Joyces Ulysees zu den besten fiktiven Werken in englischer Sprache. Dennoch bezweifelt Gallagher, dass die meisten Bloomsdayer den Wälzer tatsächlich gelesen haben. In der Tat gilt Joyces Werk als eines wichtigsten, aber auch schwersten Bücher des 20. Jahrhunderts.

Das erste Mal wurde der Bloomsday 1954 in Dublin gefeiert, seitdem finden jedes Jahr Veranstaltungen zu Ehren von James Joyce statt. Mittlerweile zieht der Tag Besucher aus aller Welt an und weitet sich immer mehr auch auf die um den 16. Juni liegenden Tage aus.

(Bildquelle: itsgreg)