Irlands Weg zur Weltspitze

Irlands Weg zur WeltspitzeIrlands Wandel in den letzten 20 Jahren macht sich in seiner Hauptstadt Dublin besonders bemerkbar. Keine andere europäische Hauptstadt hat sich in so kurzer Zeit so gravierend verändert. Dort, wo früher noch Weideland war, sind nun ganze Vororte entstanden. War die Bevölkerung Dublins noch vor 20 Jahren bitterarm, gibt es hier heute den dritthöchsten Netto-Stundenlohn weltweit.Anfang der 1990er Jahre wurde das Land von amerikanischen Computer- und Pharmaunternehmen als günstiger und zudem englischsprachiger Standort entdeckt. In den folgenden Jahren entwickelte sich Dublin daher zu einer internationalen Wirtschaftsmetropole.

Kulturen aus aller Welt treffen sich in Irland

Heute finden sich in den einfachen Backsteinhäusern von damals schicke Restaurants, in denen Sushi und Latte Macchiato serviert werden. Irland hat heute mit einem Durchschnittsalter von 34,2 Jahren die jüngste Bevölkerung in der EU. Waren früher 99% der Dubliner weiß und christlich, geht heute nur noch jeder Zweite in die Kirche. Moscheen, chinesische Internet-Cafés und Afro-Shops zeugen von den Einwanderern aus aller Welt. Jeder siebte Einwohner Irlands hat einen ausländischen Geburtstort, jeder zweite arbeitet bei einem ausländischen Unternehmen. Auch bei Deutschen ist der irische Arbeitsmarkt beliebt. Gut 10.000 von ihnen leben auf der Grünen Insel, damit bilden sie die achtgrößte Ausländergruppe des Landes.

Alan Barrett, Ökonom am Institut für Wirtschaft- und Sozialforschung (ESRI), sagt dazu, wenn sie vorher gewusste hätten, wie viele Einwanderer kommen würden, hätten sie sich sicherlich Sorgen gemacht, „aber wir hatten Glück. Die Zuwanderer haben keinen einzigen irischen Arbeitsplatz gekostet. Im Gegenteil, die Wirtschaft wurde durch sie wieder wettbewerbsfähiger, weil die Löhne weniger schnell gestiegen sind.”

Wandel vom Auswanderungsland zum Einwanderungsland

Die starke Zuwanderungszuwachs hat das Land von Grund auf verändert, denn Jahrhunderte lang war Irland ein klassisches Auswanderungsland. Besonders durch die große Hungersnot, Mitte des 19. Jahrhunderts, halbierte sich die Bevölkerungszahl innerhalb von 60 Jahren. Menschen mit irischer Abstammung leben heute in aller Welt, besonders in den USA ist die Gemeinschaft der Irischstämmigen groß.

Die Iren wissen also, was es bedeutet, in der Fremde zu leben und zu arbeiten und nehmen daher die Zuwanderer freundlich auf. Rassistische Zwischenfälle gibt es nur selten, auch die Politik opponiert nicht gegen die Zuwanderung. Zwar häufen sich in letzter Zeit die Meldungen über einen Rückgang des Wirtschaftsbooms, doch die Aufholjagd des „keltischen Tigers” bleibt einzigartig.

(Bildquelle: jaqian)