Keine Vollzeitstellen, keine Sicherheit, keine Planbarkeit – der Generationenkonflikt zwischen Lehrern in Irland

03.05.2014
Im Laufe des letzten Jahrzehnts kam es laut Gerard Craughwell, dem Vorsitzenden des irischen Lehrerverbandes Teachers` Union of Ireland (TUI), zu einer offensichtlichen Prekarisierung des Lehrberufes in Irland. Dabei gilt dieser in der öffentlichen Wahrnehmung nach wie vor als sichere Bank. Die Zahl der in Teilzeit beschäftigten Lehrer ist jedoch in den vergangenen Jahren von etwa 5% auf circa 30% angestiegen; bei den Lehrern unter 35 sind es sogar über 50%. Dabei wünscht sich die Mehrzahl der Betroffenen eine Vollzeitbeschäftigung. Es scheint sich also eine Art Generationenwechsel zu vollziehen, denn nicht nur die häufig unfreiwillige Teilzeitbeschäftigung, auch sinkende Löhne und befristete Verträge machen den Beruf besonders für Einsteiger weniger rentabel und zunehmend unsicher.

Darüber hinaus erwarten die Berufsanfänger unzählige Bewerbungen und Bewerbungsgespräche, häufige Ortswechsel und oft auch eine Art Stundensplitting:  Einige Stunden an dieser Schule, einige an einer anderen und vielleicht noch ein paar an einer dritten. Die schwierige Situation der jungen Lehrer machen sich zudem auch einige Schulen zunutze und nötigen ihnen weitere – unbezahlte – Aufgaben ab, die sie aus Angst vor dem Jobverlust in der Regel widerstandslos übernehmen. Und dennoch bleibt es oft bei befristeten Vertretungsverträgen.

Dass diese unsteten Beschäftigungsverhältnisse sich gleichzeitig negativ auf die Schüler und ihren Lernerfolg auswirken ist unbestritten. Häufige Lehrerwechsel erschweren die kontinuierliche Progression, weil Schüler und Lehrer immer wieder bei Null anfangen müssen. Darüber hinaus droht ein Qualitätsverlust auf fachlicher Seite. Zwar ist das Bildungsniveau der irischen Lehrer derzeit immer noch sehr hoch, doch steht zu befürchten, dass sich aufgrund der unsicheren Beschäftigungslage und der schlechten Karrierechancen in Zukunft besonders gut ausgebildeter Nachwuchs gegen den Lehrberuf entscheiden wird.

Insgesamt beschreibt Gerard Craughwell eine durchaus besorgniserregende Situation. Die Forderung ist klar: Eine Rückkehr zu sicheren Stellen in Vollzeit, auch für junge irische Lehrer. Nur so kann die Qualität des irischen Bildungssystems aufrecht erhalten werden.


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