Steigende Obdachlosenzahlen zwingen Dublin zu ungewöhnlichen Maßnahmen

15.07.2014

Im Februar diesen Jahres veröffentlichte das Dublin Region Homeless Executive einen Bericht zur Situation der Wohnungslosen 2013. Danach suchten in Dublin im letzten Jahr mehr als 4.600 Personen Schutz in Notunterkünften, weil sie obdachlos geworden waren. 1.958 von ihnen – also etwa 40 Prozent – hatten nach Aussage des Direktors, Cathal Morgan, bis dahin noch keine Hilfe bei der Wohnungssuche in Anspruch genommen. Insbesondere die Zahl der hilfesuchenden Familien habe seiner Ansicht nach mittlerweile ein überproportionales Maß erreicht, das nicht nur durch den grundsätzlich schwierigen Dubliner Wohnungsmarkt zu erklären sei. Viele von ihnen müssen aus Mangel an entsprechenden Unterkünften in Hotels untergebracht werden. Derzeit leben 150 Familien mit 311 Kindern in Hotels in Dublin und Umgebung.

Steigende Mieten und knapper werdender Wohnraum erhöhen den Druck, auch auf die Familien. Somit sei ein Anstieg der Zahl obdachloser Familien erwartbar gewesen, entgegnet der Dubliner Head of Housing, Dick Brady, gegenüber der Irish Times. Weiter sagte er: „Ich bin nicht glücklich mit der Unterbringung der Familien in Hotels, aber wir haben keine andere Wahl. Das ist sicher nicht der geeignete Ort, um eine Familie großzuziehen, aber wenn ich die Wahl zwischen einem Hotel und der Straße habe, so wähle ich das Hotel.“

Die Stadt ist nun im Begriff, ein Hotel der National Asset Management Agency (NAMA) zu übernehmen, um 70 Familien, die momentan in 21 Hotels über die Stadt verteilt leben, gebündelt in einem Gebäude unterzubringen. Die Streuung bei den Notunterkünften habe sich als wirtschaftlich äußerst unrentabel erwiesen und erschwere gleichsam eine effektive Betreuung und Unterstützung der betroffenen Familien, um ihnen möglichst zeitnah wieder eigenen Wohnraum zu vermitteln. Die konzentrierte Unterbringung in einem Hotel soll sowohl den Vermittlungs- als auch den finanziellen Aufwand deutlich reduzieren. Dennoch bleibt die hohe Zahl an Obdachlosen eine nicht unerhebliche finanzielle Belastung für Dublin. In der Stadtkasse werden allein 2014 voraussichtlich sechs Millionen Euro für Notunterkünfte fehlen.


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